Haushalt 2026 · Gemeinde Schwaförden
Zurück zur Übersicht Quelle: Haushaltsplan 2026 · Jahresabschluss 2024 · Beschlossen 15.12.2025
Gemeinde Schwaförden · Haushalt 2026

Was steckt hinter dem
Gemeindehaushalt?

Eine ehrliche Analyse für Bürgerinnen und Bürger — ohne Fachwissen, ohne Vorkenntnisse. Was geht gut, was macht Sorgen, und was kann die Gemeinde überhaupt selbst entscheiden?

1.472
Einwohneri
0 €
Schuldeni
2.411.200 €
Jahresetat 2026i
82 %
Steuerquotei

Schwaförden steht trotz eines hohen Steueraufkommens vor einem ernsteren Wendepunkt als viele Nachbargemeinden: Ein Fehlbetrag von 306.700 € im Jahr 2026 — der größte Einbruch seit Jahren. Der Haupttreiber ist der sprunghafte Anstieg der Samtgemeindeumlage — des Pflichtbeitrags an die Samtgemeinde Schwaförden — von 41 % auf 55 %. Die vorhandene Rücklage von über 3 Mio. Euro gibt zwar Sicherheit, aber die Schere zwischen Einnahmen und Pflichtausgaben öffnet sich strukturell. Das klingt widersprüchlich mit dem gut gefüllten Konto — aber das Defizit bedeutet nur, dass die Gemeinde in diesem Jahr mehr ausgibt als sie einnimmt. Das Geld auf dem Konto sind Rücklagen aus besseren Vorjahren.

Kerndaten auf einen Blick

Diese sieben Kennzahlen zeigen, wie Schwaförden finanziell aufgestellt ist — und was sich dahinter verbirgt.

0 €
Schuldeni
Keine Bankkredite und keine kurzfristigen Überbrückungskredite — die Gemeinde ist schuldenfrei.
+178.038 €
Jahresergebnis 2024i
Tatsächlich erzielter Überschuss — dank starker Gewerbesteuer.
–306.700 €
Jahresergebnis 2026 (Plan)i
Größter geplanter Fehlbetrag — gedeckt durch die Rücklage.
2.395.994 €
Liquide Mitteli
Frei verfügbares Geld auf dem Gemeindekonto zu Beginn 2026 — reicht, um laufende Rechnungen auch bei Steuerausfällen zu bezahlen.
2.359.601 €
Überschussrücklagei
Ersparnisse aus Vorjahren — fängt die geplanten Fehlbeträge ab.
82 %
Steuerquotei
82 % der Aufwendungen werden durch eigene Steuereinnahmen gedeckt. Im Vorjahr noch 95 % — der Rückgang zeigt die wachsende Last der Umlagen.
34 %
Reinvestitionsquote 2026i
Zeigt, ob die Gemeinde ihr Vermögen erhält: Bei 100 % wird genauso viel investiert, wie an Wert verloren geht. Schwafördens 34 % bedeuten: Die Infrastruktur altert schneller als sie erneuert wird.

Was passiert mit jedem Steuer-Euro?

Von 100 Cent Steuereinnahmen fließen 2026 alle Pflichtabgaben zusammengenommen mehr als 100 Cent ab — die Umlagen übersteigen die Steuereinnahmen. Kein Cent bleibt für eigene Aufgaben.

bleiben in
Schwaförden

Überschuss oder Fehlbetrag?

Bis 2025 wirtschaftet Schwaförden mit positivem Ergebnis. 2026 entsteht ein massiver Fehlbetrag — bevor sich die Lage ab 2027 vorübergehend stabilisiert.

Jahresergebnis in Tausend Euro (Plan / Ist)

Der Hauptgrund für den Einbruch 2026: Die Samtgemeindeumlage (der Pflichtbeitrag Schwafördens an die Samtgemeinde) steigt um fast 375.000 € — wegen notwendiger Investitionen in Grundschulen und Feuerwehren auf Samtgemeindeebene. 2027 federt eine günstigere Steuerkraftkonstellation den Rückgang vorübergehend ab. Ab 2028 und 2029 öffnet sich die Schere wieder — die Fehlbeträge werden aus der Überschussrücklage gedeckt.

Einnahmen und Ausgaben 2026

Einnahmen — 2.411.200 €

GewerbesteuerSteuer auf Gewinne der ortsansässigen Betriebe1.102.800 €
EinkommensteueranteilGemeindeanteil an der Lohnsteuer der Einwohner791.700 €
Grundsteuer BSteuer auf bebaute & unbebaute Grundstücke im Ort225.100 €
Zinsen & FinanzerträgeZinsen auf Rücklagen und Kapitalanlagen39.100 €
Sonstigesv.a. Konzessionsabgaben sowie Auflösungserträge aus Sonderposten252.500 €

Ausgaben — 2.717.900 €

SamtgemeindeumlagePflichtabgabe an die SG Schwaförden1.267.600 €
KreisumlagePflichtabgabe an den Landkreis979.600 €
Abschreibungenrechnerischer Wertverlust von Straßen & Gebäuden123.500 €
Sach- & Dienstleistungenz.B. Straßenunterhalt, Gebäudebewirtschaftung, Versicherungen162.000 €
Sonstigesz.B. Aufwandsentschädigungen, Geschäftsaufwendungen, Steuern, Versicherungen185.200 €

Was läuft gut — was macht Sorgen?

Eine ehrliche Einschätzung aller wesentlichen Aspekte der Haushaltslage.

Schuldenfreiheit
Keine Geldschulden, keine Kassenkredite. Das ist in vielen Gemeinden nicht selbstverständlich und gibt Handlungsspielraum.
Starke Liquidität und Rücklage
Über 2,4 Mio. € Kassenbestand und 2,36 Mio. € Überschussrücklage (Jahresabschluss 2024). Diese Polster decken die geplanten Fehlbeträge der kommenden Jahre ab.
Überdurchschnittliche Steuereinnahmekraft
1.632 € Steuereinnahmen je Einwohner (3-Jahres-Schnitt) — die Vergleichsgruppe liegt bei 1.184 €. Das ist eine strukturelle Stärke Schwafördens.
Massiver Fehlbetrag 2026
Das Jahresergebnis bricht um 381.000 € gegenüber dem Vorjahresplan ein — hauptsächlich wegen der Samtgemeindeumlage. 2027 stabilisiert sich die Lage, langfristig bleibt der Trend rückläufig.
Geringer Gestaltungsspielraum
86 % der Ausgaben sind Pflichtumlagen und Transferaufwand (d.h. Abgaben, die per Gesetz weitergegeben werden müssen) — die Gemeinde hat kaum Spielraum. Nur ein Bruchteil der Ausgaben ist frei gestaltbar.
Abhängigkeit von der Gewerbesteuer
49 % der Steuereinnahmen kommen aus der Gewerbesteuer — eine schwankungsanfällige Einnahmequelle, die stark vom Gewinn einzelner Betriebe abhängt. 2024 war ein Ausnahmejahr (1,48 Mio. €), 2026 wird mit nur 1,10 Mio. € geplant.
Niedrige Investitionsquote
2026 werden nur 38.900 € investiert — Breitband, eine Küche und eine Bushaltestelle. Dem stehen Abschreibungen von 123.500 € gegenüber. Die Infrastruktur altert schneller als sie erneuert wird.
Samtgemeindeumlage steigt weiter
2027 bis 2029 kalkuliert die Samtgemeinde mit einem Umlagehebesatz von 62–65 %. Das bedeutet: Die finanzielle Belastung Schwafördens wird strukturell weiter zunehmen.

Was kann die Gemeinde selbst entscheiden?

Nicht alles liegt in der Hand des Gemeinderats. Hier ist ehrlich aufgezeigt, was Schwaförden selbst steuert — und was von außen vorgegeben wird.

Was Schwaförden entscheidet

  • Straßen- und Wegeunterhaltung
  • Haltestellen und Infrastruktur
  • Gemeindewohnungen
  • Grünflächen und Spielplätze
  • Breitbandförderung
  • Hebesätze Grund- und Gewerbesteuer
  • Baulandentwicklung (neue Baugebiete)

Was von außen bestimmt wird

  • Kreisumlage (Landkreis Diepholz)
  • Samtgemeindeumlage (SG Schwaförden)
  • Schulen, Kitas, Feuerwehren
  • ÖPNV-Konzepte
  • Gemeindeanteil Einkommensteuer
  • Schlüsselzuweisungen des Landes (Ausgleichszahlungen an finanzschwächere Gemeinden)