Haushalt 2026 · Gemeinde Scholen
Zurück zur Übersicht Quelle: Haushaltsplan 2026 · Jahresabschluss 2024 · Beschlossen 11.12.2025
Gemeinde Scholen · Haushalt 2026

Was steckt hinter dem
Gemeindehaushalt?

Eine ehrliche Analyse für Bürgerinnen und Bürger — ohne Fachwissen, ohne Vorkenntnisse. Was geht gut, was macht Sorgen, und was kann die Gemeinde überhaupt selbst entscheiden?

760
Einwohneri
0 €
Schuldeni
1.215.600 €
Jahresetat 2026i
87 %
Steuerquotei

Scholen steht solide da — keine Schulden seit 2009, über 2 Millionen Euro auf dem Konto und eine starke Gewerbesteuer. Aber: Von jedem Euro Steuereinnahmen kann die Gemeinde nur wenige Cent selbst einsetzen — der große Rest fließt als Pflichtabgabe an Samtgemeinde und Landkreis weiter. Und die Infrastruktur altert still, weil kaum investiert wird. Das klingt widersprüchlich mit dem hohen Kassenbestand — aber das Defizit 2026 bedeutet nur, dass die Gemeinde mehr ausgibt als sie einnimmt. Das Geld auf dem Konto sind Rücklagen aus besseren Vorjahren.

Kerndaten auf einen Blick

Diese sieben Kennzahlen zeigen, wie Scholen finanziell aufgestellt ist — und was sich dahinter verbirgt.

0 €
Schuldeni
Keine Bankkredite und keine kurzfristigen Überbrückungskredite — die Gemeinde ist schuldenfrei.
+207.150 €
Jahresergebnis 2024i
Außergewöhnlich starkes Ergebnis — vor allem durch hohe Gewerbesteuer-Nachzahlungen.
–13.100 €
Jahresergebnis 2026 (Plan)i
Erster Fehlbetrag — gedeckt durch die Rücklage.
2.370.228 €
Liquide Mitteli
Frei verfügbares Geld auf dem Gemeindekonto zu Beginn 2026 — reicht, um laufende Rechnungen auch bei Steuerausfällen zu bezahlen.
1.136.506 €
Überschussrücklagei
Ersparnisse aus Vorjahren — federt Fehlbeträge mehrere Jahre lang ab.
87 %
Steuerquotei
87 % der Aufwendungen werden durch eigene Steuereinnahmen gedeckt.
19 %
Reinvestitionsquote 2026i
Zeigt, ob die Gemeinde ihr Vermögen erhält: Bei 100 % wird genauso viel investiert, wie an Wert verloren geht. Scholens 19 % bedeuten: Die Infrastruktur altert erheblich schneller als sie erneuert wird.

Was passiert mit jedem Steuer-Euro?

Von 100 Cent Steuereinnahmen kann Scholen kaum etwas selbst gestalten. Der Großteil fließt als Pflichtabgabe weiter.

bleibt in
Scholen

Überschuss oder Fehlbetrag?

Bis 2025 wirtschaftet Scholen mit positivem Ergebnis. 2026 entsteht ein Fehlbetrag — bevor das Ergebnis ab 2027 wieder ins Positive dreht.

Jahresergebnis in Tausend Euro (Plan / Ist)

Der Hauptgrund für den Wendepunkt 2026: Die Samtgemeindeumlage (der Pflichtbeitrag Scholens an die Samtgemeinde) steigt um fast 100.000 € — wegen notwendiger Investitionen in Grundschulen und Feuerwehren auf Samtgemeindeebene. Gleichzeitig normalisiert sich die Gewerbesteuer nach dem Ausnahmejahr 2024. Die Fehlbeträge werden aus der Überschussrücklage gedeckt, die dadurch schrumpft. Ab 2027 dreht das Ergebnis wieder ins Positive.

Einnahmen und Ausgaben 2026

Einnahmen — 1.215.600 €

GewerbesteuerSteuer auf Gewinne der ortsansässigen Betriebe (Hebesatz 420 %)530.600 €
EinkommensteueranteilGemeindeanteil an der Lohnsteuer der Einwohner347.400 €
Grundsteuer BSteuer auf bebaute & unbebaute Grundstücke (Hebesatz 200 %)106.700 €
Auflösungserträge SonderpostenJährliche Auflösung von Investitionszuweisungen aus der Vergangenheit83.200 €
Sonstigesv.a. Konzessionsabgaben (Strom/Gas)147.700 €

Ausgaben — 1.228.700 €

SamtgemeindeumlagePflichtabgabe an die Samtgemeinde Schwaförden (Hebesatz 55 %)550.100 €
KreisumlagePflichtabgabe an den Landkreis Diepholz (Hebesatz 42,5 %)425.100 €
AbschreibungenRechnerischer Wertverlust von Straßen, Wegen und Gebäuden117.200 €
Sach- & Dienstleistungenz.B. Straßenunterhalt, Gebäudebewirtschaftung, Versicherungen47.200 €
Sonstigesz.B. Aufwandsentschädigungen, Geschäftsaufwendungen, Steuern, Versicherungen89.100 €

Was läuft gut — was macht Sorgen?

Eine ehrliche Einschätzung aller wesentlichen Aspekte der Haushaltslage.

Schuldenfreiheit
Keine Geldschulden seit 2009, keine Kassenkredite. Das ist in vielen Gemeinden nicht selbstverständlich und gibt Handlungsspielraum für die Zukunft.
Starke Liquidität und Rücklagen
Über 2 Mio. € Kassenbestand und 1.136.506 € Überschussrücklage. Diese Polster decken die geplanten Fehlbeträge der kommenden Jahre komfortabel ab.
Überdurchschnittliche Steuereinnahmekraft
~1.400 € Steuereinnahmen je Einwohner — die Vergleichsgruppe liegt bei 1.160 €. Getrieben vor allem durch die starke Gewerbesteuer. Allerdings schwankungsanfällig.
Fehlbetrag 2026 und volatile Ergebnisse
Das Jahresergebnis 2026 wird erstmals negativ. Die starken Schwankungen (2024: +207.000 €, 2026: −13.100 €) zeigen die hohe Abhängigkeit von der volatilen Gewerbesteuer.
Geringer Gestaltungsspielraum
84 % der Ausgaben sind Pflichtumlagen (d.h. Abgaben, die per Gesetz weitergegeben werden müssen) — da kann die Gemeinde nichts drehen. Nur knapp ein Fünftel der Ausgaben ist frei gestaltbar.
Kritisch niedrige Investitionsquote
2026 werden nur 21.700 € investiert — ausschließlich Breitbandförderung. Dem stehen Abschreibungen von 117.200 € gegenüber. Straßen, Wege und Anlagen altern schneller als sie erneuert werden.
Steigende Umlagebelastung
Die Samtgemeindeumlage steigt 2026 um fast 100.000 € und soll bis 2029 auf über 626.000 € anwachsen. Gemeinsam mit der Kreisumlage frisst dieser Pflichtblock den steuerlichen Spielraum zunehmend auf.

Was kann die Gemeinde selbst entscheiden?

Nicht alles liegt in der Hand des Gemeinderats. Hier ist ehrlich aufgezeigt, was Scholen selbst steuert — und was von außen vorgegeben wird.

Was Scholen entscheidet

  • Straßen- und Wegeunterhaltung
  • Spielplätze und Grünflächen
  • Grabenunterhaltung
  • Breitbandausbau (Förderbeitrag)
  • Hebesätze Grund- und Gewerbesteuer
  • Baulandentwicklung
  • Vergabe von Mieten und Pachten

Was von außen bestimmt wird

  • Kreisumlage (Landkreis Diepholz)
  • Samtgemeindeumlage (SG Schwaförden)
  • Schulen, Kitas, Feuerwehren
  • ÖPNV-Konzepte
  • Gemeindeanteil Einkommensteuer
  • Schlüsselzuweisungen des Landes (Ausgleichszahlungen des Landes an finanzschwächere Gemeinden)