Haushalt 2026 · Gemeinde Affinghausen
Zurück zur Übersicht Quelle: Haushaltsplan 2026 · Jahresabschluss 2024 · Beschlossen 02.12.2025
Gemeinde Affinghausen · Haushalt 2026

Was steckt hinter dem
Gemeindehaushalt?

Eine ehrliche Analyse für Bürgerinnen und Bürger — ohne Fachwissen, ohne Vorkenntnisse. Was geht gut, was macht Sorgen, und was kann die Gemeinde überhaupt selbst entscheiden?

805
Einwohneri
0 €
Schuldeni
760.500 €
Jahresetat 2026i
92 %
Steuerquotei

Affinghausen steht solide da — keine Schulden, eine ordentliche Rücklage, und fast jeder Steuereuro kommt aus eigener Kraft. Aber: Von jedem Euro Steuereinnahmen kann die Gemeinde nur wenige Cent selbst einsetzen — der große Rest fließt als Pflichtabgabe weiter. Und die Infrastruktur altert still, weil kaum investiert wird. Das klingt widersprüchlich mit den vorhandenen liquiden Mitteln — aber das Defizit bedeutet nur, dass die Gemeinde in diesem Jahr mehr ausgibt als sie einnimmt. Das Geld auf dem Konto sind Rücklagen aus besseren Vorjahren.

Kerndaten auf einen Blick

Diese sieben Kennzahlen zeigen, wie Affinghausen finanziell aufgestellt ist — und was sich dahinter verbirgt.

0 €
Schuldeni
Keine Bankkredite und keine kurzfristigen Überbrückungskredite — die Gemeinde ist schuldenfrei.
+17.256 €
Jahresergebnis 2024i
Tatsächlich erzielter Überschuss — knapp, aber positiv.
–22.500 €
Jahresergebnis 2026 (Plan)i
Erster Fehlbetrag — gedeckt durch die Rücklage.
741.898 €
Liquide Mitteli
Frei verfügbares Geld auf dem Gemeindekonto zum 31.12.2024 — reicht, um laufende Rechnungen auch bei Steuerausfällen zu bezahlen.
439.520 €
Überschussrücklagei
Ersparnisse aus Vorjahren — federt Fehlbeträge ab.
92 %
Steuerquotei
92 % der Aufwendungen werden durch eigene Steuereinnahmen gedeckt.
7 %
Reinvestitionsquote 2026i
Zeigt, ob die Gemeinde ihr Vermögen erhält: Bei 100 % wird genauso viel investiert, wie an Wert verloren geht. Affinghausens 7 % bedeuten: Die Infrastruktur altert erheblich schneller als sie erneuert wird.

Was passiert mit jedem Steuer-Euro?

Von 100 Cent Steuereinnahmen kann Affinghausen kaum etwas selbst gestalten. Der Großteil fließt als Pflichtabgabe weiter.

bleibt in
Affinghausen
  • 51¢
    Samtgemeindeumlage
    Pflichtabgabe an die Samtgemeinde Schwaförden — steigt 2026 von 41 % auf 55 %, weil Schulen und Feuerwehren investiert werden müssen.
  • 39¢
    Kreisumlage
    Pflichtabgabe an den Landkreis Diepholz — ebenfalls gestiegen, auf 42,5 %.
  • Gewerbesteuerumlage
    Kleiner gesetzlicher Pflichtanteil, der abgeführt wird.
  • Für Affinghausen selbst
    Straßen, Spielplätze, Grünflächen, Dorfgemeinschaftshaus, Verwaltung — alles zusammen.

Überschuss oder Fehlbetrag?

Bis 2025 wirtschaftet Affinghausen mit positivem Ergebnis. Ab 2026 entsteht ein struktureller Fehlbetrag — der jedes Jahr größer wird.

Jahresergebnis in Tausend Euro (Plan / Ist)

Der Hauptgrund für den Wendepunkt 2026: Die Samtgemeindeumlage (der Pflichtbeitrag Affinghausens an die Samtgemeinde) steigt um fast 100.000 € — wegen notwendiger Investitionen in Grundschulen und Feuerwehren auf Samtgemeindeebene. Die Fehlbeträge werden aus der Überschussrücklage gedeckt, die dadurch schrumpft.

Einnahmen und Ausgaben 2026

Einnahmen — 760.500 €

EinkommensteueranteilGemeindeanteil an der Lohnsteuer der Einwohner410.000 €
Grundsteuer BSteuer auf bebaute & unbebaute Grundstücke im Ort146.000 €
GewerbesteuerSteuer auf Gewinne der ortsansässigen Betriebe110.300 €
KonzessionsabgabenGebühren für Leitungsrechte (Strom, Gas, Wasser)22.400 €
Sonstigesv.a. Konzessionsabgaben sowie Auflösungserträge aus Sonderposten71.800 €

Ausgaben — 783.000 €

SamtgemeindeumlagePflichtabgabe an die Samtgemeinde351.400 €
KreisumlagePflichtabgabe an den Landkreis271.600 €
Abschreibungenrechnerischer Wertverlust von Straßen & Gebäuden64.700 €
Sach- & Dienstleistungenz.B. Straßenunterhalt, Gebäudebewirtschaftung, Versicherungen47.800 €
Sonstigesz.B. Aufwandsentschädigungen, Geschäftsaufwendungen, Steuern, Versicherungen47.500 €

Was läuft gut — was macht Sorgen?

Eine ehrliche Einschätzung aller wesentlichen Aspekte der Haushaltslage.

Schuldenfreiheit
Keine Geldschulden, keine Kassenkredite. Das ist in vielen Gemeinden nicht selbstverständlich und gibt Handlungsspielraum für die Zukunft.
Liquidität und Rücklagen
Über 740.000 € liquide Mittel (Ende 2024) und 439.520 € Überschussrücklage. Diese Polster decken die geplanten Fehlbeträge der kommenden Jahre ab.
Hohe Steuerfinanzierung
92 % der Ausgaben werden aus eigenen Steuern gedeckt — weit über dem Durchschnitt vergleichbarer Gemeinden in Niedersachsen.
Strukturelle Fehlbeträge ab 2026
Die Jahresergebnisse werden negativ — vor allem wegen steigender Umlagen. Die Rücklage reicht noch einige Jahre, der Trend ist aber klar rückläufig.
Geringer Gestaltungsspielraum
81 % der Ausgaben sind Pflichtumlagen (d.h. Abgaben, die per Gesetz weitergegeben werden müssen) — da kann die Gemeinde nichts drehen. Nur knapp ein Fünftel der Ausgaben ist frei gestaltbar.
Kritisch niedrige Investitionsquote
2026 werden nur 4.500 € investiert — ausschließlich Breitbandförderung. Dem stehen Abschreibungen von 64.700 € gegenüber. Straßen, Wege und Anlagen altern schneller als sie erneuert werden.
Unterdurchschnittliche Steuereinnahmekraft
766 € Steuereinnahmen je Einwohner — die Vergleichsgruppe liegt bei 1.163 €. Das ist eine strukturelle Schwäche, die sich nicht einfach lösen lässt.

Was kann die Gemeinde selbst entscheiden?

Nicht alles liegt in der Hand des Gemeinderats. Hier ist ehrlich aufgezeigt, was Affinghausen selbst steuert — und was von außen vorgegeben wird.

Was Affinghausen entscheidet

  • Straßen- und Wegeunterhaltung
  • Spielplätze und Grünflächen
  • Dorfgemeinschaftshaus
  • Grabenunterhaltung
  • Sportförderung
  • Hebesätze Grund- und Gewerbesteuer
  • Baulandentwicklung

Was von außen bestimmt wird

  • Kreisumlage (Landkreis Diepholz)
  • Samtgemeindeumlage (SG Schwaförden)
  • Schulen, Kitas, Feuerwehren
  • ÖPNV-Konzepte
  • Gemeindeanteil Einkommensteuer
  • Schlüsselzuweisungen des Landes (Ausgleichszahlungen des Landes an finanzschwächere Gemeinden)